Grenzflächendeterminierte Systeme
"Das Volumen des Festkörpers wurde von Gott geschaffen,
seine Oberfläche aber wurde vom Teufel gemacht." Dieser Ausspruch wird dem Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli zugeschrieben und soll unmissverständlich klar machen, dass eine Oberfläche der wohlgeordneten und gut verstandenen Welt der Festkörper klare Grenzen setzt. Der am 25. April 1900 in Wien geborene, frühreif-geniale Physiker wurde Professor in Hamburg (1926) und Zürich (1928). 1940 - 46 arbeitete Pauli in den USA am „Institut for Advanced Study“ in Princeton. 1924 entdeckte er das Ausschließungsprinzip (Pauli-Prinzip), wofür er 1945 den Nobelpreis für Physik erhielt. 1946 kehrte er nach Zürich zurück, wo er am 15. Dezember 1958 starb. Unter der Oberfläche eines insbesonders kristallinen Fest- körpers versteht man den Bereich, in dem die geometrische und elektronische Struktur sich merklich von der des Fest- körpervolumens unterscheidet; das sind im Wesentlichen einige wenige Atomlagen von der Oberfläche aus gezählt. Tatsächlich führt die Existenz von Oberflächen zu neuen physikalischen Eigenschaften, die sich von denen des Volu- mens eines Festkörpers grundlegend unterscheiden. Verkleinert man in einem Mehrphasensystem das Volumen einer festen, möglicherweise partikulären Phase, so nimmt deren Oberfläche im Verhältnis zum Volumen drastisch zu und die Oberfläche der Phase gewinnt an Einfluß auf die makroskopischen Materialeigenschaften, bis man letztendlich zu Systemen gelangt, die nahezu ausschließlich von diesen Grenzflächen dominiert werden (grenzflächendeterminierte Systeme). Ist man in der Lage, solche Grenzflächen zu modi- fizieren und zu kontrollieren, so kann man Materialien ver- besserte, zum Teil gänzlich neue Eigenschaften verleihen. Diese Effekte macht man sich in der sog. Nanotechnologie zu Nutze, in der man Strukturgrößen bearbeitet, die weniger als 100 Milliardstel Meter darstellen. ![]() |